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Selten hatte es vor einem Elephants Spiel so viel Stress gegeben wie vor der Begegnung gegen die Hertener Löwen.
Dank der unbürokratischen Unterstützung von Bürgermeister Klaus Krützen und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hatte es zwar rechtzeitig  mit der Arbeitserlaubnis für Sharif Watson geklappt, aber die Freigabe aus Rumänien lag dem DBB nach 10 Tagen immer noch nicht vor. Ein Anruf beim rumänischen Verband brachte die Antwort, dass der Amerikaner nie eine offizielle Spielberechtigung gehabt hätte und nun musste schnellstens eine Freigabe aus den USA her. Doch dieses Verfahren dauert in der Regel eine knappe Woche und es war bereits Donnerstag Abend. In einem nächtlichen Telefon-Marathon und mit einer beschleunigten Online-Bearbeitung brachte man die notwendigen Dokumente auf den Weg und am Samstag Morgen lag dann die Spielgenehmigung seitens des DBB vor - sozusagen in letzter Minute.
Zwei Stunden vor Anpfiff kam dann plötzlich die Absage des Physiotherapeuten und unser Coach besorgte auf seinem Weg von Krefeld nach Grevenbroich im Auto noch telefonisch Ersatz, den man auch mehr als dringend benötigte. Denn Jasper Chiwuzie plagte sich mit enormen Rückenproblemen und musste bis 30 Minuten vor Spielbeginn erst noch "hergerichtet" werden. Die Meldung, dass ein kleiner Teil der neu installierten, elektrischen Tribüne sich nicht ausfahren ließ und die Musikanlage zuerst nicht funktionieren wollte , verloren anhand dieser Vorgeschichte komplett an Wirkung.

Die Halle fülte sich zusehens und mit Bürgermeister Klaus Krützen und Hydro Werksleiter Christoph Budde hatte sich auch hoher Besuch eingefunden. Letzterer berichtete als einer der größten Arbeitgeber der Region in einem Kurzinterview von der "Langen Nacht der Industrie" am 26. Oktober, in der Interessenten sich das Hydro Werk in Grevenbroich anschauen können und nahm dann in Mitten einer Gruppe vom Werk eingeladener Asylanten gespannt im VIP Bereich Platz.
Pünktlich um 19.30 Uhr konnte angepfiffen werden  und die ersten Punkte verbuchten dann gleich die Gäste. Die Hausherren glichen aus, doch nach zwei Dreiern führten die Löwen in der fünften Minute mit 8:12. Dies sollte allerdings die letzte Führung des Pro B Absteigers gewesen sein, denn Chiwuzie, Boksic und Becker stellten bis zum Ende des ersten Viertels eine 20:16 Führung her.
Im zweiten Viertel schien Herten mit einem schnellen 2:3 den Rückstand wettmachen zu wollen, doch die Elephants hielten mit einer großen Rotation das Tempo dauerhaft hoch und schafften bis zur Halbzeitpause einen überzeugenden 20:9 Run. Neuzugang James Chute hatte mit 8 Zählern maßgeblichen Anteil daran und durch die 13 Punkte, die die Hausherren von der Bank einstreuen konnte (Herten 1), hieß es zum Pausentee 42:28.

In der Kabine kam aufgrund der hohen Führung allerdings keinerlei Euphorie auf, denn man wußte, dass Herten mit seinen sechs Imports zu den Top Teams der Liga zählt und eine Zweier Wurfquote von 30% nicht über 40 Minuten bestand haben würde. Konzentriert weiterspielen lautete die Devise und nicht auf den Lorbeeren der ersten Halbzeit ausruhen.
Nach dem Seitenwechsel wirkte die Begegnung jedoch irgendwie zerfahren. Zuerst verkürzten die Löwen auf 37:47, bevor die Dickhäuter wieder auf 56:42 davon zogen. In den letzten beiden Minuten gelang beiden Teams nicht ein einziger Korb aus dem Feld und trotz eines Leistungsabfals gegenüber des ersten Durchgangs führten die Schlossstädter immer noch mit 59:47.

Im Schlussabschnitt schienen die Elephants für 5 Minuten komplett den Faden verloren zu haben. Vorne verlegte man selbst einfachste Korbleger und hinten war von der engagierten Verteidigung der ersten Hälfte nichts mehr zu sehen. Hertens Blitz-Neuzugang Kofi Josephs hatte in dieser Phase seine besten Szenen und plötzlich stand es nur noch 61:56. Ein kleiner 6:2 Run zum 65:58 sorgte wieder für etwas Ruhe bei den knapp 600 Zuschauern, doch die Gäste gaben sich noch nicht geschlagen. Eine Minute vor dem Ende stand es 67:63 und als Petrovcic per Sprungwurf auf 67:65 verkürzte wurde es kurzzeitig still im Elephants Dome. Die Löwen pressten  jetzt Ganzfeld und waren bedacht darauf, beim Stoppen der Uhr nicht einen sicheren Freiwurfschützen wie Farid Sadek oder Marko Boksic zu foulen. Als Simon Bennett ihnen den Gefallen tat, den Ball zu Lennard Jördell zu passen, witterten sie ihre Chance und foulten den Center sofort. Seine Freiwurfquote bis dahin: 1 von 4, doch Lenny blieb an der Linie eiskalt und verwandelte beide Würfe sicher zum 69:65.
Auszeit Herten für die wichtigen Punkte zum Anschlusstreffer, doch die Hausherren verteidigen gut und erobern den Ball. Herten muss nun schnell foulen und kann keine Rücksicht mehr auf die Qualität des Schützen nehmen. Der ansonsten bärenstarke Farid Sadek (8 Assists - Herten hatte als Team 11) geht an die Linie und trifft keinen seiner beiden Freiwürfe. Nur noch Sekunden sind zu spielen und Grevenbroich läßt den letzten Wurf ohne Risiko eines Fouls zu.
Die Elephants haben ihre Auftaktbegegnung  gegen eines der Top 4 Teams der Liga 69:67 gewonnen und feiern somit zum ersten Mal seit Jahren eine gelungene Saisonpremiere. Die beiden Ehrengäste Krützen und Budde hatten diesen Erfolg übrigens beide vor Spielbeginn vorausgesagt und dürfen als Glücksbringer gerne wiederkommen.

In der anschließenden Pressekonfrenz sind sich die Coaches darin einig, dass der Grevenbroicher Sieg über 40 Minuten gesehen mit Sicherheit verdient war, doch beide hadern ein wenig mit dem letzten Viertel - allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass man beiden Mannschaften anmerken konnte, dass noch nicht alles rund läuft und sich Automatismen erst noch finden müssen. Gerade deshalb war Coach Hartmut Oehmen aber überglücklich: "Wir haben heute als Mannschaft über 30 Minuten hinweg vernünftigen bis guten Basketball gezeigt ohne, dass wir einen absoluten Topspieler in unseren Reihen hatten, der den Sieg sozusagen alleine nach Hause gefahren hat. Jeder Akteur hatte heute Licht und Schatten in seinen Aktionen, doch es gab viele gute Ansätze auf die wir bauen können."

 

 

 

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